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August 2015 - DIE ZEIT

DIE ZEIT Nº 34/201414. August 2014 08:00 Uhr Der Sandsturm pinselt mit Andere malen das Meer, Carsten Westphal hat es mit Wüsten. Seine Gemälde entstehen an Ort und Stelle – und das soll man sehen. Ein Gespräch über den Charme der Leere und die Feinfühligkeit von Kamelen. Interview: Cosima Schmitt DIE ZEIT: Herr Westphal, haben Sie eine Lieblingswüste? Carsten Westphal: Oh ja, die Rub al-Chali im Oman. Sie hat rotbraun leuchtende Sanddünen, die sich wie Bergketten aneinanderreihen, und dazwischen glitzern schwarz-silbrige Schotterebenen. Toll finde ich auch die libysche Sahara in der Nähe des Sees Umm al-Maa: Da läuft man über einen orangefarbenen Sandozean, überquert eine Düne – und plötzlich breitet sich unten die Oase aus, tiefblau und gesäumt von Palmen. Anzeige ZEIT: Orte, so schön, dass Sie sie auf Gemälden festhalten. Sie reisen allein oder mit Führern in die Wüsten der Welt, breiten dort eine Leinwand aus und verwenden zum Malen, was die Umgebung hergibt. Was darf denn alles aufs Bild? Westphal: Sand, Staub oder Schlamm zum Beispiel. Auf dem Mosesberg auf der Sinai-Halbinsel habe ich etwa Felsstaub verarbeitet, also Gestein, das von Pilgern zertreten wurde – gemörsert von Millionen Sohlen! Da hat jedes Körnchen eine Geschichte. ZEIT: Mit dem Staub bestreuen Sie die Leinwand ... Westphal: ... und ich lasse auch die Elemente mitmalen: Am liebsten arbeite ich in Sandstürmen, da bläst der Wind kleine Dünen aufs Bild. Anschließend beträufele ich die Leinwand mit Wasser und Bindemittel, und die Sonne brennt alles zu einer festen Schicht, die ich weiter bemale; die Farben mische ich möglichst mit Oasenwasser an. Das Ergebnis sieht oft aus wie eine Luftaufnahme der jeweiligen Wüste. ZEIT: Und ist acht bis zehn Kilo schwer. Westphal: Ja, das ist ein Problem. Mehr als zehn Bilder kann ich pro Reise nicht mitschleppen, selbst im Jeep nicht. Mit dem fahre ich aber ohnehin nicht so gern – jedes Mal platzt mir ein Reifen in der Hitze, dann will ich den Wagenheber ansetzen, und der versinkt im Sand. Lieber bin ich mit Kamelen unterwegs. Die kriegen keinen Platten. ZEIT: Und hoch oben auf einem Kamel ist die Aussicht bestimmt besser. Westphal: Meist reite ich nicht – das Hin-und-her-Geschaukel ist so gemütlich, dass ich sonst einschlafe und die schönsten Motive verpasse. Lieber lasse ich die Tiere Malutensilien und Gepäck tragen und laufe nebenher. Wobei das nicht ohne ist, Kamele haben ihr eigenes Karawanen-Tempo, da muss man ganz schön rennen. ZEIT: Kommen sich Mensch und Tier auf solchen Touren auch näher? Westphal: Viele Mietkamele sind abgestumpft, sie lassen sich nicht mehr auf Beziehungen zu Menschen ein. Aber einmal hat mir ein Targi in Tunesien sein weißes Rennkamel eine Woche lang ausgeliehen. Ein edles Tier mit riesigen, hellwachen Augen, in denen sich dein ganzer Körper spiegelte. Eines Morgens schliefen die Tuareg noch, und ich malte. Und da trippelte das Kamel herbei. Man hatte seine Füße, wie es Brauch ist, für die Nacht zusammengebunden, sodass es nur winzige Schritte machen konnte. Es schnupperte an den Farbtöpfen und sah mir zu; war ganz vorsichtig, hat alles inspiziert, ohne etwas umzuwerfen. Dieses Kamel war sehr feinfühlig. Als wir uns verabschiedeten, war ich richtig traurig und hab ihm lange den Hals geklopft. ZEIT: Und wie reagieren menschliche Wüstenbewohner auf Sie? Finden die es nicht seltsam, dass da ein Fremder in ihrer Wüste kniet und malt? Westphal: Oh ja. In Südtunesien kamen zum Beispiel zwei Männer vorbei, starrten die Leinwände an und fragten, was ich da mache. Als ich sagte, ich sei Künstler, haben sie den Kopf geschüttelt. Die leben in Zelten, die haben keine Wände, an denen man Bilder anbringen könnte. Und auch in den Häusern, in denen ich in Syrien und Jordanien zu Gast war, hingen keine Gemälde. So was sieht man nur in Großstädten, deren Bewohner mit westlicher Kultur in Berührung gekommen sind. In Indien hatte ich aber auch mal einen Kamelführer, der war fasziniert von meiner Arbeit. Er sagte, bislang sei Sand für ihn das gewesen, was in den Schuhen drücke. Dass man damit Kunst schaffen könne, wäre ihm nicht im Traum eingefallen. ZEIT: Wie sind Sie selbst auf die Idee gekommen? Westphal: Ich habe eigentlich Archäologie studiert. Aber dann kam ich auf einer Reise an der verfallenen Karawanenstadt Sijilmassa in der marokkanischen Wüste vorbei und spürte: Die will ich lieber malen als ausbuddeln – ich möchte selbst Kunst schaffen, nicht freilegen, was andere geschaffen haben. In Sijilmassa entstand mein erstes Wüstenbild. Seither möchte ich alle der über 50 Wüsten weltweit besuchen. 15 habe ich schon geschafft. ZEIT: Manche Menschen würden sagen: 15-mal Leere und Ödnis. In der Wüste gibt es kaum Tiere, kaum Pflanzen, wenige Menschen. Haben Sie nicht allmählich Lust auf Großstadtbilder? Westphal: Für mich sind Wüsten keine leeren, öden Sandmassen, sondern von großer, urtümlicher Schönheit. Diese Weite, in der nichts den Blick versperrt! Außerdem ist es in der Wüste unglaublich still. So still, dass die eigenen Gedanken laut werden, die Ideen strömen. Ich kann diese Stille in mich aufnehmen und werde dann selbst immer ruhiger – versenke mich so sehr ins Malen, dass es sich anfühlt wie Meditation. Diesen Zustand kann ich nur in der Wüste erreichen. Wenn ich woanders bin, sehne ich mich danach. Und nur in der Wüste erlebt man, wie es ist, wenn das Leben aufs Wesentliche reduziert ist. Zu Hause trinkt man achtlos eine Flasche Wasser, hier kann sie das große Glück bedeuten. Wenn ich in eine Wüste gehe, ist das wie nach Hause kommen. ZEIT: Ein Zuhause, das nicht immer ungefährlich ist. Sind Sie schon mal in brenzlige Situationen geraten? Westphal: Ja, in Libyen haben mich Soldaten angehalten. Sie wollten die Köcher inspizieren, in denen ich meine Leinwände transportiere. Denn in Libyen gibt es Panzerfäuste, die von der Größe her genau hineinpassen würden. Ich habe die Köcher aufgeschraubt, etwas zittrig, weil vor mir die Soldaten standen, die Kalaschnikow im Anschlag. Als ich dann die Leinwände herausholte, haben die Männer laut gelacht. Und ich habe ihnen mitten in der Wüste meine Kunst erklärt.

2015 - Wuestenreisen

Für dieses Jahr sind 2-3 Wüstenreisen geplant: Vereinigte Arabische Emirate, Namibia und Island.

05. Januar 2015 - Desierto de Tabernas

Zurück aus Spaniens Wüste bei Tabernas/Almeria. Dort, in der einzigen Wüste Europas, wo in den 60er und 70er Jahren zahlreiche Western aber auch Szenen des Films "Lawrence von Arabien" gedreht wurden, habe ich über den Jahreswechsel eine kleine Serie Wüstenbilder gemalt. Unberührte Naturlandschaft und 3000 Sonnenstunden im Jahr.

Dezember 2014 - Neues Buch

Der neue Bildband: Der Wüstenmaler Carsten Westphal - Sand. Weite. Stille. ist ab dem 19. Januar lieferbar. Der Bildband hat die Maße: 24,5 x 33,5 cm. Er hat 208 Seiten, wiegt 2 kg und kostet 39,95 €. Zzgl. Versandkosten innerhalb Deutschlands = 46,94 €. Vorbestellungen sind ab sofort möglich unter cgawestphal@aol.com. Das Buch ist auch bei Amazon und ebay eingestellt und ebenfalls über den Buchhandel zu beziehen.

14. August 2014 - DIE ZEIT

Heute erschien ein Interview mit mir in der Wochenzeitung DIE ZEIT. Geführt hat es Cosima Schmitt von der ZEIT-Redaktion. Der Text befindet sich auf Seite 56. Jetzt auch auf ZEIT online.

31.07.2014 - Radiointerview

Ende Juli führte Herr Klaus Oostenryck ein Radiointerview mit mir, das auf dem Südtiroler Sender RGW - Radio Grüne Welle - am 31. Juli 2014 um 19 Uhr gesendet wurde. Hören kann man es unter MEDIA auf dieser Website. Ich bedanke mich an dieser Stelle noch einmal bei Herrn Oostenryck, der mir die Veröffentlichung über meine Website mit Hinweis auf den Sender erlaubte.

Maerz 2014 - Karawane durch die Sahara

Mit vier Kamelen zog ich durch die Wüstengebiete Südtunesiens. Mit dabei waren drei Araber, mein Neffe und eine Trabbihaube, die ich vor Ort bemalte. Neben dem großartigen Schauspiel eines Regensturms in der Wüste war es ein traumhaft schönes Arbeiten und leben in einem feinsandigen Dünenmeer.

07. Maerz 2014 - Lanzarote

Zurück von der atemberaubenden Insel der Vulkane, wo ich eine Serie Bilder in den erkalteten Lavaströmen der Vulkanausbrüche des 18. Jhs. malte.


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